Hey zusammen!
Also, wem es noch nicht aufgefallen sein sollte, ich bin jetzt seit ca. 4 Tagen in Amerika. Ich kanns selbst noch gar nicht so richtig glauben. Aber hier bin ich also, in den United States. Und seit gestern auch endlich in Texas. Vorher gab es erstmal ein zweitägiges Orientation Camp in Washington D.C., bei dem ich die ganzen anderen Austauschschüler wiedergesehen, amerikanische Austauschschüler kennengelernt und eine Menge Zeit in Bussen verbracht habe. Beim Seightseeing waren wir am Martin Luther King-Memorial, am Lincoln-Memorial, am Weißen Haus und im National Museum of American History. Die Zeit war ziemlich begrenzt, also haben wir einen auf Durchschnitts-Touri gemacht, haben uns alles mal angesehen, aber im Großen und Ganzen nur die Bilder betrachtet.
Aber dann ging der Spaß erst so richtig los. Wer will schon Seightseeing, wenn er 12 Stunden am Flughafen verbringen kann! Aus irgendeinem Radar-Grund wurden ausgrechnet an unserem Abflugtag unheimlich viele Flüge in Washington Dulles gekänzelt und als wir dann endlich im Flugzeug saßen, durften wir nach zwei Stunden des Wartens wieder aussteigen. Am gleichen Flughafen. Der kürzeste Flug den ich je erlebt habe. Also ging es noch eine Nacht ins Hilton Hotel und am nächsten Tag konnten wir dann endlich fliegen. So richtig mit Abheben und Landen. Da ich erst seit einem Tag hier bin, kann ich noch nicht wirklich viel über meine Gastfamilie sagen. Die Gastmutter muss bereits arbeiten, da sie Lehrerin ist und diese letzte Woche zur Vorbereitung dient. Also wird der Rest meiner Ferien vermutlich eher ereignislos verlaufen. Falls es etwas neues zu erzählen gibt, melde ich mich.
Montag, 17. August 2015
Dienstag, 11. August 2015
Letzter Eintrag aus Deutschland
Das ist er also. Mein letzter Eintrag,
den ich in Deutschland schreibe und aus Deutschland veröffentliche.
Nachdem ich tausende Themen gesammelt habe, über die ich berichten
könnte, habe ich mich für etwas völlig anderes entschieden. Und
zwar erzähle ich euch ganz einfach, wie es mir generell so geht.
Wuhu. Swag overload. Diese
Bevor-man-Austauschschüler-wird-Zeit ist schon eine sehr seltsame. Ständig entstehen um einen herum Gespräche wie
folgendes:
*Zahnarzt fuchtelt mit seltsam
aussehenden Geräten in meinem Mund herum*
Ich:gurgelwürggurgel
Zahnarzt: Ich habe von deiner Mutter
gehört, dass du ein Jahr in die USA gehst!
Ich: gurgelwürgmurmelgurgel
Zahnarzt: Das ist ja wirklich
interessant! Hast du da nicht wahnsinnige Angst dick zu werden?
Ich: gurgelnajagurgel
Zahnarzt: Wobei, vielleicht eher
erschossen zu werden, nicht wahr? Dort haben sie schließlich alle
Waffen. Und wenn man da mal einen Fehler macht...nicht auszudenken.
Ich: gurgelgurgelhilfegurgelwürg
Zahnarzt: Na ja, letztendlich sind es
ja nur 10 Monate. Die gehen ja zum Glück schnell vorbei. Da musst du
dir keine Sorgen machen, falls du keine Freunde finden solltest. Mein
Neffe war auch ein viertel Jahr dort, irgendwann hatte er so Heimweh,
dass er zurückgeflogen kam..
Ich: gurgeljsnsjbgurgel
Zahnarzt: Und die Arztrechnungen dort
drüben! Werd bloß nicht krank und schon deine Zähne gut! Aber
moment, bei all dem Fastfood...Das wird wohl nicht werden, lach lach.
Ich: gurgelwürggurgeljsbjchbdjs
Zahnarzt: Aber USA, das ist schon toll,
wie in den ganzen Filmen! Aber verlieb dich besser nicht, du siehst
den jungen Mann dann schließlich fast nie wieder. Daran zerbrechen
Beziehungen sehr schnell.
Ich: gurgelwürggurgelhsbchbjna
Zahnarzt: So, das wärs dann! Schöne
Zähne hast du, viel Spaß bei deinem Austauschjahr!
Jap, eine Zeit des endlosen Smalltalks,
der nervigen Klugscheißer-Tipps und Geschichten der großgroß
Neffen die vor 32 Jahren mal ein Austauschjahr in Uganda verbacht
haben. (Denn das ist ja fast das gleiche.) Aber selbstverständlich
möchte jeder Anteil nehmen...Und hat jede Menge schlaue Sprüche auf
Lager. Man
lebt in dieser Bald-bist-du-weg-Welt und muss sich nebenbei auf
Hausaufgaben, nervige Mathetests und Endjahresaufgaben konzentrieren.
Außerdem will man natürlich jede Minute mit seinen Freunden
genießen. Von denen ich nun für eine Weile Abschied nehmen musste.(An dieser Stelle eine riesig fette
Umarmung an die beiden Wondergurls, die meinen Abschiedsbrunch
möglich gemacht haben, ihr seid die besten Freunde, die man sich
wünschen kann!) Wobei wir auch schon wieder bei den Vorteilen wären!
Torte, Cakepops und Zimtschnecken!
(Ja, Fast-Austauschschüler zu
sein ist sehr lecker.)
Als Mädchen hat man dann noch
irgendwann die Anstrengung von geliebten Kleidungsstücken Abschied
zu nehmen..("Doch, ich brauche diese extrem fette
Winterstrickjacke in Texas! Was mach ich denn, wenn doch mal
plötzlich Minusgrade hereinbrechen sollten...") Im Gegensatz zu vielen anderen, die
ihren Koffer schon fünf Tage vor Abflug fertig gepackt haben, kam
bei mir die Motivation (und die glorreiche Panik) erst in den letzten
24 Stunden. Auf einmal bemerkt man, dass es bald über den Teich
geht. Das Herz pocht von der einen auf die anderen Minute wie wild
und beruhigt sich, sobald man abgelenkt ist, auch wieder genauso
schnell. Denn so richtig realisieren, werde ich es vermutlich erst im
Flieger. Generell ist es eine Zeit des ständigen
Gefühlsaufundabs. Es beginnt, wenn die tiefgründigen
Gurgelwürg-Gespräche mit dem Zahnarzt einsetzen und endet... nun
ja, um ehrlich zu sein weiß ich das nicht. Wird die Aufregung jemals
enden? Immerhin beginnt die Achterbahn ab jetzt erst so richtig. Aber
ich denke, dass ich bereit bin. Und wenn ich eine Antwort habe, werde
ich euch garantiert davon berichten.
P.S. Anastasia Archangelski ist geil.
P.S. Anastasia Archangelski ist geil.
Donnerstag, 2. Juli 2015
Happy as a clam at high tide
Ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben, aber ich habe endlich meine Gastfamilie! Vater, Mutter, Kind, Katze, Katze und (Überraschung) Katze Nummer 3. Was will man mehr? Und noch dazu erfüllt sich mein Traum etwas völlig neues kennenzulernen... denn für mich geht es nach Texas!
Eigentlich hatte ich mir geschworen keine Vorlieben zu entwickeln und neutral zu bleiben, denn letztendlich hat man keinen Einfluss darauf, wohin es einen verschlägt. Aber mal im Ernst, hätte es eine Favorite-states-Liste gegeben, wäre Texas nicht Teil davon gewesen. Über allem stand für mich jedoch der Gedanke eine Herausforderung annehmen zu wollen und etwas absolut unbekanntes und unerwartetes zu erfahren. Und als ich festgestellt habe, dass dies mehr als 100% zutrifft hätte ich gar nicht glücklicher sein können. Nennt mich verrückt, aber ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr der Wahnsinn wird! Egal, ob im positiven oder im negativen Sinne.
Ich komme in eine typisch amerikanische Kleinstadt, die sich direkt an der Grenze zu Oklahoma befindet, somit also am Red River. Die nächstgroße Stadt ist nicht weit entfernt (halbe Stunde soweit ich weiß). Der Traum meiner Eltern mich mitten in der Prärie wiederzufinden ist somit wie eine Seifenblase zerplatzt. Gott sei Dank. Kuhscheiße steht mir nicht.
Über meine Schule weiß ich noch nicht wirklich viel. Die Website und ich verstehen uns nicht sonderlich gut. Aber das Maskottchen ist eine Bulldogge. Willkommen in meiner Welt, andere werden also anmutige Panther, Tiger, Löwen...oder wasweißichdennwas und ich werde eine Bulldogge. Was natürlich irgendwie auch ganz cool ist.Wuff.
Dienstag, 16. Juni 2015
Oh ja, ich habe mir eine dieser
kitschigen Countdown-Apps geholt. Und ich stehe dazu.
Experiment VBS
Also, es ist Zeit für einen neuen
Blog-Eintrag! Denn, es ist etwas passiert. Mein VBS!
Als ich vor ein paar Wochen die
Einladung erhalten habe, war ich erstmal überglücklich. Für eine
ganze Woche keine Schule, was will man mehr? Eine Kurzfassung meiner unglaublichen
Woche sähe ungefähr so aus: Essen gut, Menschen gut, Wetter gut,
wir haben einen Mann gegen eine Birne getauscht, ich kann jetzt ein
Lied auswendig, dass die Worte "Idds biddli otz notz"
enthält und ich werde in den USA nie Rubber
sagen.
Stattgefunden hat das Vorbereitungsseminar in Bad
Bevensen. Da ich natürlich großartige geografische Kenntnisse
besitze, wusste ich sofort, dass dies ein kleiner Kurort in der Nähe
von Uelzen im schönen Niedersachsen ist. Oder ich habe es erst
erfahren, als ich mich am zweiten Tag gefragt habe, wo um alles in
der Welt ich mich eigentlich befinde (und es daraufhin bei Google
eingegeben habe). Wie auch immer. Jedenfalls gab es dort jede Menge
alte Menschen, Natur und Bauernhöfe.
Während ich bei der Ankunft noch etwas unsicher war, wie die Woche so verlaufen würde, sind wir als
Stipendiaten-Gruppe wahnsinnig schnell ein richtiges Team geworden
und mir sind alle so ans Herz gewachsen, dass ich am letzten Tag zum
Abschied heulen musste. Und das, obwohl wir in weniger als 2
Monaten Washington unsicher machen. Aber zurück zum Seminar an sich.
Wir hatten verdammt gute Teamer, die sich super um uns gekümmert haben und jede Frage (,mochte sie auch noch so dämlich sein,) beantwortet haben. Vier Tage waren unserem Leben in den USA gewidmet. Es wurde also über die High School, die Gastfamilie, Kommunikation geredet und jede Menge lustige Spiele und Rätsel durchgeführt. Zukünftige Experiment-Exchangler dürfen sich vor allem auf die "Albadross-Simulation" freuen. Dazu möchte ich nicht allzu viel verraten, denn wenn man es nicht selbst erlebt hat, versteht man es nur sehr schwer. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann Expect the unexpected und Be quick to observe but slow to judge.
Wir hatten verdammt gute Teamer, die sich super um uns gekümmert haben und jede Frage (,mochte sie auch noch so dämlich sein,) beantwortet haben. Vier Tage waren unserem Leben in den USA gewidmet. Es wurde also über die High School, die Gastfamilie, Kommunikation geredet und jede Menge lustige Spiele und Rätsel durchgeführt. Zukünftige Experiment-Exchangler dürfen sich vor allem auf die "Albadross-Simulation" freuen. Dazu möchte ich nicht allzu viel verraten, denn wenn man es nicht selbst erlebt hat, versteht man es nur sehr schwer. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann Expect the unexpected und Be quick to observe but slow to judge.
Drei Tage wiederrum wurden Referate zur deutschen Geschichte und den amerikanisch-deutschen Beziehungen
ausgearbeitet, vorgetraten, Diskussionsrunden gehalten und wir haben eine KZ-Gedenkstätte besichtigt. Das klingt im ersten Moment vielleicht nicht so prickelnd, aber dadurch, dass die Arbeitsmoral gut war und
wir PPPler natürlich irgendwie auch einen überdurchschnittlichen
Durchblick hatten, war es so lehrreich wie zwei Jahre
Geschichtsunterricht.
Generell fühle ich mich nach den Tagen
perfekt gewappnet, um als Junior-Botschafter in ein fremdes Land zu
ziehen. Meine vorherige Angst hat sich in noch größere Vorfreude
umgewandelt und mittlerweile checke ich täglich, ob ich nicht
vielleicht doch schon an eine Gastfamilie vermittelt worden bin. Next
step ist jedoch erstmal mein Visum. Die Unterlagen sind endlich da.
Auf ins Konsulat. ♥

Samstag, 28. März 2015
Heute bin ich der Vervollständigung meiner Unterlagen einen großen Schritt näher gekommen. Gott sei Dank. Denn erst wenn alles fertig ist heißt es "Willkommen in der Austauschschüler-Börse", was ich mir ungefähr so vorstelle wie Elite-Partner, nur das in diesem Fall nicht beide Partein wahlberechtigt sind, sondern nur die Gastfamilie. Erinnert also stark an einen Kauf-Prospekt. ("Ach Jeremy Peter, nehmen wir nun den Rasenmäher oder lieber den, der weiß wie man Unterhosen bügelt? Denk dran, mehr als einen Austauschchüler können wir uns nicht leisten!")
Um an einer amerikanischen High School angenommen zu werden, muss man einen sogenannten ELTiS-Test bestanden haben. Das Erste was mir einfiel, als ich dies zum ersten Mal hörte, sah ungefähr so aus:
Iltis und ELTiS stehen jedoch in keinem Zusammenhang. Was irgendwie offensichtlich ist. Ich wollte es trotzdem nochmal erwähnen. :D
Jedenfalls fand dieser für mich heute morgen 11:00 Uhr in Leipzig - der wohl so schönsten Stadt Deutschlands - statt.
(Und nebenbei geagt ist Leipzig meine ehemalige Heimatstadt :D )
Letztendlich ging der Test selbst ungefähr eine Stunde und war unerwartet einfach. Zusammen mit mir befanden sich drei Austauschschüler im Raum, zwei die genauso wie ich das PPP bekommen hatten.
Die Frau, welche uns mit Hilfe einer CD und einigen Tipps durch die Testaufgaben führte, war super nett und hat sich alle Mühe gegeben uns jede Aufregung zu nehmen.
Seltsamer Weise war ich völlig tiefenentspannt, ich glaube nach der Nervosität der letzten Monate nehme ich manches ein wenig anders wahr.
Um jetzt aber noch das Rätsel zu lösen, der ELTiS-Test (English Language Test for international Students) wurde für Schüler und Schülerinnen entwickelt, die einen High School-Aufenthalt im Ausland planen. Ziel ist es nachzuweisen, dass der Austauschler Aufgabenstellungen in englischer Sprache angemessen erfüllen kann.
Grundsätzlich sind dafür 90 Minuten vorgesehen, der Test ist jedoch in viel kürzerer Zeit zu schaffen. Geprüft wird sowohl das Hör- als auch das Leseverständnis in Form von Multiple Choice-Aufgaben. Manche sind schwerer, manche leichter. Ab und zu habe ich geraten, das muss ich ehrlich zugeben, doch ich habe alles in allem ein sehr gutes Gefühl. Nächste Woche kommt dann das Ergebnis, was ich an dieser Stelle nachtragen werde, aber solange ich bestanden habe, ist mir der Rest absolut Boogie. ♥
~*~ 238 von 265 Punkten ~*~
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Mittwoch, 18. März 2015
Golden Rules
Hallo ihr Lieben,
eigentlich hatte ich mir
vorgenommen, vor meinem Abflug nicht zu viele Einträge zu verfassen. Das Wichtigste wollte ich in
einigen wenigen, dafür aber sinnvollen, Posts zusammenpacken. Aber dann. Ein Thema das mir
ins Gesicht zu springen schien. Nicht wortwörtlich. Aber trotzdem
genug, um meinen Vorsatz beiseitezulegen.
Die
Vorbereitung eines
Auslandsjahres
verlangt einem
nicht nur jede Menge Geduld, sondern auch noch jede Menge Papierkram
ab.
Von den "Bist
du ein hobbyloser, einsamer Psychopath ohne jegliches Engagement, der
an mehr als 8 Erkrankungen leidet? Wenn ja, warum ist Schinken
orange?-Unterlagen"
habe ich euch ja bereits berichtet. Wenn man nun jedoch die
Gewissheit hat, dass man tatsächlich fliegen darf,
so kommt der gleiche großartige Spaß in Englisch auf einen zu. Und
nicht nur das, sondern auch noch viele
ärztliche Bescheide.
Sollte es dazu jedoch noch genauere Fragen geben, könnt ihr diese
gerne in den Kommentaren stellen. Denn in diesem Eintrag möchte ich
auf etwas ganz anderes eingehen. Zusammen mit den Unterlagen erhält
man eine Seite voller kleingedruckter lustiger
"Teilnahmebedingungen", von denen ich euch heute gerne
einige näherbringen würde.
1.
Der Kauf und der Besitzt von Waffen ist dem Austauschschüler
strengstens untersagt.
Die
erste und gleich einschneidendste Nachricht für
den Ablauf eures kompletten Auslandsjahres.
Solltet
ihr euch mit den Nachbarn nicht verstehen, wird es nicht so sein wie
bei Call of Duty, nein. Es
ist dem Austauschschüler untersagt
seine Mitmenschen kaltblütig zu ermorden. Und nicht nur das – die
dafür benötigte Waffe darf nicht im Laden erworben werden! Ein
modernes Trauerspiel.
2.
Es ist dem Austauschschüler absolut untersagt, Autos bzw.
motorgetriebene
Fahrzeuge zu fahren.
Man
könnte auch sagen: "Die
Organisation will und kann für gelenkgehemmte Antizebrastreifengroßmütter
keine Haftung übernehmen."
3.
Der Austauschschüler
sollte über genügend Taschengeld verfügen, um seine persönlichen
Ausgaben zu decken.
Tja,
wenn das da so da steht...Ihr habt es
gehört elternliche Portemonnaie-Freunde,
wir müssen den Worten des weisen Organisationsgurus Folge leisten!
4.
Der Teilnehmer ist in vollem Umfang für jeden Inhalt wie z.B.
Blogs,Texte- oder Bildbeiträge verantwortlich.
Soll
so viel heißen wie "Solltest du bisher pornografische oder
gewaltverherrlichende Datein veröffnetlicht haben, so unterlasse dies
nach
Möglichkeit für
die folgenden zehn Monate. Danach ist es uns wieder scheißegal."
Vielen
Dank für dein Verständnis.
5.
Das Fahren per Anhalter ist streng verboten.
Während
deines Austauschjahres ist es dir untersagt in die Autos fremder
Menschen einzusteigen. Vorallem wenn sie Süßigkeiten haben. Aber
auch nur während deines Austauschjahres. Sonst ist es
kein Problem.
6.
Der Teilnehmer ist dazu verpflichtet seine gesamten Ausgaben bis zum
Zeitpunkt der Rückreise
zu begleichen.
"Oh,
das tut mir Leid. Ich hab dir dein Geld doch per Post zugeschickt!
Wie, du meinst es ist nicht angekommen? Ich wette den Brief hat der
Postbote...gegessen..."
7.
Ein Besuch des Teilnehmers durch Familienangehörige und/oder Freunde
ist vor Februar des Programmjahres nicht gestattet.
Also,
nur damit ich das auch richtig verstehe: Sollten meine Freunde ihr
popeliges Taschengeld zusammensparen, um mich bereits vor Februar zu
besuchen, weil sie keine Sekunde länger ohne meine brilliante
Anwesenheit ausgehalten hätten,
so darf ich meine Koffer packen und nach Hause fahren?
8.
Während des Aufenthalts dürfen
grundsätzlich keine Arbeitsverhältnisse eingegangen werden.
Du
möchtest Geld verdienen? Ehrliche Arbeit verrichten? Tja, meine
Liebe/ mein Lieber, nicht mit uns! Bewerbe dich jetzt bei Experiment
e.V. und lass dich für Fleiß und Tüchtigkeit nach Hause schicken!
Wir machen es möglich!
Wir machen es möglich!
9.
Von den Stipendiaten wird erwartet, dass sie einen dauerhaften
Beitrag zu einer besseren Verständigung zwischen jungen Deutschen
und Amerikanern leisten.
Dauerhaft? Wer einen wahrlich dauerhaften Beitrag zur Verständigung leisten möchte, sollte sich um einen Job bei Facebook bemühen. Aber halt, was haben wir gerade gelernt? Arbeiten ist untersagt!
10.
Ein Gastfamilienwechsel wird nicht allein erfolgen, weil der
Stipendiat dies wünscht.
Nein,
empfindet eure Organisation euch als passendes Glied in der Kette (so
unter dem Motto "Hey, in deiner Familie haben alle einen ganz
genauso großen Kopf wie du! Und du sagst uns du fühlst dich nicht
geliebt und geboren?!") dann.. fuck off.
So,
das war sie dann auch schon wieder, meine persönliche Top 10.
Vielleicht kommen bei euch einige andere Sachen hinzu, genau absehbar
ist dies
nicht. Manche hatten noch diesen "Der Austauschschüler darf
während seines Aufenthalts keine sexuellen Beziehungen
eingehen"-Part, bei dem ich stutzig wurde.. ("The
Sexpolizei is watching u, my lieber friend..")
Doch
so oder so, letztendlich will jede Organisation nur das Eine.
Keinen Ärger.
Dienstag, 3. März 2015
Das „Date" mit dem MdB
Nach einiger Zeit des
Wartens, kam hier also die heiß ersehnte Nachricht.
"Herzlichen
Glückwunsch, du gehörst zu den wenigen Auserwählten, denen das
einzigartige Privileg zukommt noch länger Warten zu dürfen!"
Einerseits bringt diese
Botschaft selbstverständlich Erleichterung mit sich.
Andererseits jedoch,
geht es jetzt erst richtig los. Bis Mitte Februar muss sich der
jeweilige Abgeordnete nun für einen der übrig gebliebenen
Teilnehmer entschieden haben. Ob er euch zu einem Gespräch einlädt
oder nicht, das darf er völlig frei entscheiden.
Bei mir brach ab diesem
Moment eine Zeit heran, in der ich jeden und alles dafür
verantwortlich machte, dass ich das Stipendium auf gar keinen Fall
bekommen würde.
Wäre ich nämlich
tatsächlich enttäuscht worden, so hätte ich wenigstens eine drei
Seiten lange Liste mit „Warum es nicht meine Schuld war-Ideen“
parat gehabt. ( 1.Ich bin nicht mit meinem MdB verwandt. 2.Eine der
anderen Kandidatinnen könnte ihr selbstgebackene Kekse zugeschickt
haben. 3. Auf meinem Bild sieht meine Nase bedrohlich groß aus.
4.Vermutlich sind beim Abschicken plötzlich alle Kommas verschwunden. 5. Sie könnte meine
Bewerbung auch einfach verloren haben und um der Peinlichkeit zu
entgehen dies zugeben zu müssen, nimmt sie einfach jemand
anderen....)
Doch nach einer kleinen
Unendlichkeit – ungefähr 2-3 Monate später – erhielt ich den
lang ersehnten Anruf von meiner Abgeordneten, die sich mit mir in
ihrem Büro verabreden wollte.
Bei solch einem
besonderen Date gehen einem natürlich tausende Fragen durch den
Kopf.
„Was soll ich
anziehen?“ (Nichts zu elegantes oder aufgesetztes! Nehmt etwas,
worin ihr euch wohl fühlt!) „Was, wenn sie mich nicht so mag wie
ich bin?“ „Was soll ich sagen, um einen guten Eindruck zu
machen?“
Tja, das Ganze hat mich
durchaus ein Wenig an Speeddating erinnert, nach mir kam sofort die
Nächste zum Gespräch. Meine 1.000.000 klugen zurechtgelegten
Antworten, mit denen ich eigentlich hatte punkten wollen, waren
jedoch vergessen, als ich in einen kleinen Raum ohne viele Fenster
geführt wurde, in dem ich mich schon vom ersten Moment an nicht wohl
fühlte.
Mein MdB war nett,
höflich und trotzdem sachlich und konzentriert. Nachdem ich im
Internet davon gelesen hatte wie manche erneut getestet und abgefragt
wurden (als hätte das Auswahlgespräch noch nicht den richtigen
„Kick“ gegeben), fiel mein Gespräch seltsam unspektakulär aus.
Im Prinzip begann sie damit, mir das Programm noch einmal in allen
Einzelheiten zu erklären.
Da ich schon informiert
war, doch in irgendeiner Weise Interesse zeigen wollte, habe ich
völlig spontan den Entschluss gefasst mich zum Vollhorst zu machen
und habe aller drei Minuten ein „Oh! Das ist ja wunderbar! Wie
toll!“ eingeworfen. Vermutlich dachte sie ich hätte eine moderne
Art Tourette-Syndrom.
Zwischendurch kamen
einige von diesen typischen 0815-Fragen, die jeder Mensch gleich
beantwortet.
„Sind Sie anfällig für Heimweh?“ „Nein! Ich hasse meine liebevolle Familie, ich
hasse meine tollen Freunde!“
„Warum möchten Sie ausgerechnet nach Amerika?“ „Jede Menge dicke Menschen, das
stärkt das Selbstwertgefühl! Hussa!“
„Könnten Sie sich
vorstellen in einer Familie mit vielen Kindern zu leben?“ „Klar,
dann verhungert man in harten Zeiten nicht so schnell.“
Dafür dass meine Hände
unter dem Tisch zitterten, als müsste ich jeden Moment die deutsche
Nationalhymne rückwärts singen, waren die Aufgaben bedeutend
leicht. Und nach zwanzig Minuten hatte ich es hinter mir.
Es folgte die längste
Woche meines Lebens. Doch in einem Moment, in dem ich überhaupt
nicht daran dachte, klingelte auf einmal das Telefon.
Völlig monoton
verkündete meine Abgeordnete mir: „Annabell, ich habe große
Neuigkeiten, Sie fliegen nach Amerika!“ Und obwohl sie klang als
hätte sie mir soeben verkündet, sie wolle sich gerne einmal unseren
Rasenkantenschneider ausleihen, brach ich in Tränen aus und während
sie mir erklärte, dass ich nun in Kürze Post von meiner
Organisation bekommen würde, kam von mir ein gefasstes und seriöses:
„Ahhhhh..*schluchz*...Danke...*schluchz*...Omg Ich kanns nicht
fassen..Das ist alles so wahnsinn..*schluchz* Wow...vielen vielen
vielen Dank..*schluchz* Wirklich..*schluchz*.. Danke... *schluchz*“
Danach legte sie auf.
Um es also einmal kurz
zu fassen, wir führten ein sehr langes tiefgründiges Gespräch über
den Sinn des Lebens.
Ungefähr eine Woche
hat es gedauert, bis ich anfing zu realisieren, dass das alles kein
Traum war. Ich fliege also in die
USA. Anni becomes an exchange student. Anni goes
abroad.
Okay, so dramatisch das
auch alles klingt, ich hab's bis jetzt noch nicht so richtig
gecheckt. Das wird definitiv noch einige Zeit dauern. Hier in Deutschland kommt einem all dies so
schrecklich unwirklich vor. Doch in sechs Monaten werde ich meine
Familie und meine Freunde verlassen und für ein Jahr ein völlig anderes
Leben führen.
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