Montag, 6. Juni 2016

California – der beste/teuerste/sonnigste/windigste/aufregendste Ort meiner Reise

Am Anfang macht man sich erst einmal wenige Gedanken darum, wie viel man nun genau vom Gastland sehen wird. Weg, darum geht es ja. Eine Welt entdecken, die neu und aufregend ist. Nach einigen Monaten jedoch erscheint die neue aufregende Welt nicht mehr ganz so neu und aufregend. Sobald man seine Routine entwickelt hat, fühlen sich viele Austauschschüler oft enttäuscht oder so als würde man sich auf der Stelle bewegen. Manche Gastfamilien sind außergewöhnlich reisebegeistert (und haben noch dazu das nötige Kleingeld) somit sind Reisen und Trips inbegriffen, doch im Normalfall sind Gastfamilien dafür nicht verantworlich. Solange ihr mit Liebe und Verständnis aufgenommen werdet, solltet ihr euch nie beschweren, wenn euch eure Gasteltern keinen 5-Sterne-Urlaub bieten. Das ist nicht ihre Aufgabe. Wollt ihr mehr von eurem Gastland sehen, dann solltet ihr euch an Reise-Organisationen für Austauschschüler wenden. Diese sind sehr organisationsabhängig. Was ich allerdings gleich erwähnen möchte ist, dass Trips teuer sind und niemals als selbstverständlich angesehen werden sollten. Denn eigentlich geht es ja bei eurem Auslandsjahr nicht darum, eine Woche Schule zu verpassen, um euch am Strand nen fetten zu machen. Ich hatte das enorme Glück, dass meine Oma mich unterstützt hat, wofür ich unglaublich unglaublich dankbar bin, denn meine Reisen nach New York und Kalifornien waren das absolute Highlight meines Jahres und ich würde die Erinnerungen, die ich gemacht habe, für nichts in der Welt eintauschen. Mit meiner Reiseorgenisation "BELO USA" hatte man die Möglichkeit nach New York, Hawaii oder Kalifornien zu gehen. Außerdem zur Wahl standen "East-Coast" und "West-Coast"-Trips, also längere Reisen (2 Wochen), die aber demenstsprechend NOCH teurer waren. Da ich ständig erwähne wie teuer es war will ich schnell nebenbei sagen, dass es das Geld definitiv wert war. Vergleichsweise würde ich das Programm vermutlich nie für einen solchen Preis geboten bekommen. Seine Zeit mit einer großen Gruppe an Austauschschülern zu verbringen, ist natürlich ein weiterer großer Pluspunkt. Na gut. Jetzt aber zu meinen 2 Reisen. 

Die New-York-Bilder habe ich schon im Dezember gepostet. Ich habe das "New-York-Christmas-Special" gebucht und hatte das große Pech, dass es letztes Jahr nicht geschneit hat und das Weihnachtsfeeling einfach nicht wirklich aufkommen wollte. Trotzdem hat mich keine Stadt so beeindruckt wie NYC. Wenn man im Fernsehen Ausschnitte sieht denkt man oft sich ein Bild gemacht zu haben, aber keine Bilder könnten je einfangen wie riesig und überwältigend die Straßen in New York wirklich sind. Was man für diese Reise einplanen sollte ist jede Menge Geld zum Shoppen. Wie viel genau ich ausgegeben habe möchte ich nicht preisgeben aber glaubt mir: Es war zu viel. 

Es ist nicht leicht zu sagen, welcher meiner beiden Trips nun der bessere war, doch wenn ich zurücksehe, muss ich vermutlich mit Nummer 2 gehen. Kalifornien. Los Angeles war genauso sonnig und touristenfreundlich, wie man es sich vorstellt. Überall Menschen. Jede Menge Sachen zu sehen. Was soll ich da groß sagen. Es gibt zu viel aufzuzählen. Mein persönlicher Lieblingspart war die Harry Potter-World in den Universal-Studios, aber das ist nur Ausdruck meiner Nerdigkeit. Der großartigste Ort, den ich je zusehen bekommen habe, ist San Francisco, der zweite Teil meines Trips. Anscheinend leben dort eine riesige Menge reicher Leute, denn demnach sieht es auch aus. (Große große wunderschöne Häuser, Rasen der anderes Gras wie billiges Amateurgras aussehen lässt.) Während es in Los Angeles warm war, war es in San Francisco windig und kalt, wodurch ich mir natürlich eine wundbare Erkältung eingefangen habe. Welcher Spaß. Generell waren wir typische Touristen, haben 500 dramatische Sonnenschein-Bilder gemacht, viel zu viel Essen gegessen und sind von einem Spaß-Platz zum nächsten Spaß-Platz gejagt. Aber es ist schwer die ganze Reise in Worte zu fassen. Falls irgendjemand mehr wissen möchte schreibt mir. Falls nicht schreibt mir trotzdem. Hier einige Bilder. 






Sonntag, 8. Mai 2016

 Wie ich rausgekickt wurde und was man über Gastfamilienwechsel wissen sollte



Ich erinnere mich noch gut daran wie es war zu Hause zu sitzen und daran zu denken für 10 Monate lang mit einer Familie zusammenzuleben, die mir in diesem Moment noch völlig fremd war. Als sich im Juni mein Gastfamilien-Status von "in Arbeit" zu "bearbeitet" geändert hat, habe ich vor Freude geweint. Die Euphorie kann sich jedoch schnell legen. Es gibt unzählige Austauschschüler, die während ihres Jahres die Gastfamilie wechseln. Man findet im Internet kaum Erklärungen zu "Warum? Weshalb? Wieso?" Dies liegt daran, dass es einem von der Organisation nicht erlaubt wird. Also werdet ihr hier an dieser Stelle auch keine genaueren Details finden. Einiges möchte ich euch allerdings gerne mitteilen. "Gastfamilienwechsel ist die letzte Option", so sagt es jede Organisation, mit der man seinen Austausch machen kann. Doch was bedeutet das, letzte Option? Das habe ich mich in den letzten Monaten unzählige Male gefragt und ich wünschte ich hätte meine Antwort eher gefunden. Sobald sich der Gedanke "Gastfamilienwechsel" in euren Kopf gesetzt hat und euch für mehr als 3 Wochen einfach nicht mehr loslassen will, ist die Sache im Prinzip schon entschieden. Ihr könnt keinen emotionalen Frieden mehr schließen. Ständig fragt man sich wie es sein könnte. Warum sich alles so ergeben hat, wie es ist. Ich habe viele Fehler und bin nicht einmal irgenwo in der Nähe von perfekt, aber ich bin definitiv nicht respektlos oder eine Person die Probleme verursacht. Ich vesuche zu helfen wo auch immer ich kann und keine Last zu sein. Wenn es zu Konflikten kommt beziehe ich alles sofort immer zu erst auf mich und denke es ist meine Schuld. Somit habe ich für eine lange Zeit sehr gelitten und versucht an der Sache zu arbeiten, sie besser zu machen. Aber das könnt ihr nicht, wenn es nicht von beiden Seiten kommt. Manchmal sogar dan nicht. Austauschschüler wechseln aus den verschiedensten Gründen. Ich wurde rausgekickt. Und ich würde euch den Grund gerne erklären, doch um ehrlich zu sein kenne ich ihn nicht. Ich kämpfe selbst noch mit dem Gedanken, weil ich es nicht verstanden habe und auch jetzt noch nicht tue. Auf einmal hieß es ich wäre im Haus nicht mehr wilkommen und vom einen auf den anderen Tag verließ ich die Familie, mit der ich 8 Monate meines Lebens verbracht hatte.  Manchmal schlägt das Schicksal Richtungen ein, mit denen man nie gerechnet hätte. Und manchmal stellen sich diese als das Beste heraus, was hätte passieren können. Nachdem ich acht Monate lang versucht habe aus allem das Beste zu machen, habe ich nun die absolut beste Gastfamilie. Eine Gastfamilie, die mich liebt und mir das jeden Tag sagt und zeigt. Ich muss nicht mehr "versuchen". An nichts mehr "arbeiten". Ich bin gut so wie ich bin. Und wenn das nicht das Beste ist, was ist es dann. Wenn ihr das Gefühl habt euch geht es so wie es mir erging, wechselt. "Es geht mir nicht gut", ist Grund genug. Lasst euch von niemandem sagen wie ihr euch zu fühlen habt. Ihr allein seid für euch verantwortlich. Falls ihr Probleme, Ängste oder Bedenken habt, schreibt mir. Ich bin vielleicht nicht Dr. Sommer oder Dr. Phil, aber Dr. Clemen klingt ziemlich cool.






 

Sport im Austauschjahr – Glück&Segen oder sozialer Selbstmord





"Hm, nu was fangsch n jetz mit meim Lem an", eine Frage die sich jeder sächsisch-deutsche Austauschschüler am Anfang seines Jahres stellt. Übersetzt ist dies so viel wie "Wie gestalte ich meine Freizeit während ich hier in den United States of America lebe?" Im Gegensatz zu Deutschland hat man hier tausende Möglichkeiten, die direkt mit der Schule verbunden sind. Wenigstens eine Aktivität sollte man tun, um Anschluss zu finden und seine Zeit nicht zu verschwenden. Neben Theater, Debattierclubs und ähnlichem gibt es an jeder Schule Sportarten. Egal wie klein deine Schule ist, wenigstens ein Football und Baseball-Team gibt es immer. Und für Mädchen meist Volleyball und Softball. Am Ende hat man also wenigstens eine kleine Auswahl, unabhängig von wie groß die High School ist. Am Anfang des Jahres war ich so sportlich wie ein Stein. Als ich also mit Volleyball angefangen habe, um "Teamgeist" zu zeigen und mich "an meinen neuen Lebensraum anzupassen" bin ich tierisch auf die Fresse geflogen. Überraschung: Wenn man zuvor nicht sportlich war, entwickelt man über den Sommer nicht plötzlich Superkräfte. Dummer Weise begann das Volleyball-Training bereits zwei Monate, bevor ich über den Teich kam und so war ich nicht nur schlecht, sondern zudem auch noch spät. Keine guten Bedingungen, um bei der "Cool-Clique" Eindruck zu schinden. Nach drei Wochen gab ich mich also geschlagen und fand mich damit ab niemals bei den internationalen Frauenmeisterschaften teilnehmen zu können. Als ich später jedoch eine meiner besten Freundinnen kennenlernte, die mir von Cross Country und Track erzählte, änderte sich diese Einstellung wieder. Wenn ich während meines Austauschjahres tatsächlich die durchschnittlichen 7 Kilo zunehmen würde, könnte ich wenigstens rennen, um der Sache entgegenzuwirken. (Spoiler-Alert: Ich habe keine 7 Kilo zugenommen...Aber ich hab ja noch einen Monat Zeit.) Jedenfalls waren am Anfang trotzdem alle viel besser als ich und ich habe gegen mich selbst kämpfen müssen. Von diesem Punkt an sah ich meine (heutigen besten) Freunde jedoch jeden Tag und wir begannen eine richtige Freundschaft aufzubauen. Cross Country war schon zur Hälfte vorbei, aber die wenigen Wochen, die mir blieben, halfen mir mich in meinem neuen Zuhause wohler zu fühlen. Track Season kam wenige Wochen nachdem Cross Country vorbei war. Aufgrund von Theater konnte ich nur zu zwei von fünf Trainingstagen kommen, was natürlich nicht half, wenn man bedenkt, dass ich sowieso schon nicht gut war, aber ich bin trotz allem froh es getan zu haben. Im letzten Rennen der Saison wurde ich das erste Mal in meinem Leben in einem Wettrennen erster Platz. Mit Medaille und allem. Ich kann mir nur schwer vorstellen wie mein Jahr verlaufen wäre, wenn ich Rennen nicht für mich entdeckt hätte. Wo ist also die Moral für Austauschschüler ohne sportliches Talent und einer Begabung sich in öffentlichen Orten zu blamieren? Ganz einfach. Lasst nichts unversucht. Klammert euch nicht an eine Vorstellung. Manchmal kommt alles anders als man denkt. Seid offen. Wenn Menschen euch fragen etwas neues zu probieren, tut es. Was kann schon passieren? Aber wenn ihr merkt, dass ihr euch unwohl fühlt oder mit den Leuten nicht klar kommt oder eben wirklich keinen Spaß an der Sportart finden könnt, habt keine Angst abzubrechen. Es gibt so viele Sachen, die ihr machen könnt. Vielleicht ist der Mathe-Club ja das Richtige für euch. Oder der Schach-Club. Aber brecht nicht gleich ab. Manchmal muss man sich durch einige Sachen durchkämpfen, um sich seinen Platz zu verdienen. Um dieses Statement zu untermauern hier einige Bilder von meinem ersten Trackmeet. Enjoy.


Warum Prom ganz cool war und ich Cakeballs als zertifizierte Sanitäter einstufe

Hey fellows. Egal ob man sein Austauschjahr bereits begonnen hat, dem ganzen noch entgegenfiebert oder zuhause sitzt und darauf hofft eines Tages seinen Traum verwirklichen zu können, Prom ist immer ein ganz großer Punkt auf der "WennichinAmerikabin..."-Liste. Natürlich ist es das. Was ist schon amerikanischer als in langen Kleidern zu Taylor Swift Songs im langsamen Schritt über den Tanzboden zu schweben. Aber das ist natürlich ein dickes fettes Klischee. Prom sah für viele erst einmal so aus:
All jene Paare die sich auch in all den anderen 278 Schultagen öffentlich das Gesicht im Gang ablecken, bekamen hoffnungslos romantische Promposals, die meist vor so groß wie möglichen Menschenmassen geschahen. Sollte man also nicht in der Stimmung sein Regenbogen tanzen und Einhörner singen zu hören, sollte man sich in dieser Zeit von öffentlichen Plätzen fernhalten. Viel Glück damit. Vergesst nicht, ihr befindet euch in einer Schule. Aber keine Sorge, im Großen und Ganzen gibt es nur jede Menge "Awwwwwww"-Momente, die sich zu schönen Erinnerungen entwickeln. 
Promposals sind schon so eine Sache. (Für all die deutschen Deutschen unter uns: Promposal setzt sich zusammen aus Prom und Proposal, was im Deutschen so viel wie "Prom-Antrag" bedeutet.) An manchen Schulen werden sie extrem überbewertet und ohne Date und Promposal steht man alleine da. An manchen Schulen sind sie etwas Besonderes. Ein Tipp, den ich jedem mitgeben möchte, ist sich nicht zusehr darauf zu versteifen ein Date haben zu wollen. Ich wurde zwar ausgefragt, habe mich aber dafür entschieden die Nacht mit meinen Freunden zu verbringen. Meiner Meinung nach die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Es ist ehrlich gesagt viel lustiger mit vielen Menschen zu tanzen und sich selbst beim Tanzen nicht so ernst zu nehmen, als die Zeit mit seinem Date zu verbringen und es am Ende zu bereuen.  Jeder Prom ist anders, das muss einem gleich im Vorhinein klar sein. Habt nicht zu viele Erwartungen, macht euch keine Platte. Wenn es nicht die großartigste Nacht in eurem Leben ist, geht die Welt ganz sicher auch nicht unter. Manche bereiten sich 20 Stunden vorher schon vor, lassen ihr Makeup professionell machen und bekommen eine 200 Dollar Mani-und Pediküre. Und dann, wenn sie endlich beim Prom ankommen bricht ihnen der Absatz und sie fühlen sich unperfekt. Damit ist der Abend gelaufen. Aller Spaß hinüber. Was spielt es denn für eine Rolle, dass man 1000 Dollar für sein Kleid ausgegeben hat und so viel Haarspray im Haar trägt, dass man seine Hochsteckfrisur erst wieder loswerden wird wenn man alt und runzlig ist. 
Versteht ihr, was ich meine? Es ist eine Nacht, in der ihr Spaß haben solltet. Und klar, es ist cool sich vorher fertig zu machen und Kleidershoppen ist für viele definitiv ein Highlight, aber am Ende kommt es nur darauf an, ob ihr Spaß hattet. 
Meine Promvorbereitung sah generell auch etwas anders aus. Während alle anderen Mädchen an meiner Schule schon am Morgen mit Gesichtsmasken loslegten, war ich auf dem Weg zu unserem ersten Theaterwettbewerb. Distrikt. Unsere Theatershow drehte sich um die Kindes-Entführung von Charlie Lindbergh in den 1930ern und um einen Schwarz-Weiß-Effekt herbeizuführen, war unser ganzer Körper mit Farbe zugekleistert. Was auf der Bühne einen ziemlich coolen Eindruck machte. Als wir jedoch 2 Stunden hatten und ein einziges Badezimmer für ungefähr 15 Menschen, die sich alle promfertig machen wollten, wurde es zum Problem. Am Anfang sahen wir nämlich so aus: 



Und innerhalb von einer Stunde(,denn die andere Stunde verbrachten wir mit an die Tür Pochen und Warten,) geschah folgende Veränderung.



Zwischendurch hatten wir eine Stunde, um von der Stadt unseres Wettbewerbes zurück nach Hause zu kommen, um pünktlich für Prom da zu sein. Da ich am Morgen unglaublich aufgeregt war und so nichts aß, war ich am Anfang des Abends kurz vor dem verhungern. Was genau es beim Prom zu Essen gibt ist genauso unterschiedlich wie alles andere. Bei uns gab es jedenfalls nichts als Cakeballs. Da mein Blutzucker jedoch so im Keller war, hatte ich davon gefühlte 10000 und nur so konnte ich den Abend überleben. Für Menschen mit normalem Promablauf wäre es also vermutlich eine gute Idee bereits vor Prom Essen zu gehen. Und nach Prom dann natürlich noch mal, denn das ist ja Tradition. Also kurz gesagt: Prom ist eine Menge Tanzen, eine Menge Essen und jede Menge Spaß. Aber es kommt immer darauf an, was man aus seiner Nacht macht.





Hey zusammen.



Erstmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich solange nichts von mir hören lassen habe. Um es einmal kurz zu sagen: Es ist so viel passiert. Und ich wusste nicht wo ich anfangen sollte. Und ich wusste nicht wo ich aufhören hätte können. Im Großen und Ganzen gliedern sich meine nächsten Einträge in folgende Überschriften



  1. Warum Prom ganz cool war und ich Cakeballs als zertifizierte Sanitäter einstufe
  2. Sport im Austauschjahr – Glück&Segen oder sozialer Selbstmord
  3. Wie ich rausgekickt wurde und was man über Gastfamilienwechsel wissen sollte
  4. California – der beste/teuerste/sonnigste/windigste/aufregendste Ort meiner Reise





Das sollte es also ziemlich klar machen. In den letzten Monaten hat mein Leben so einige verrückte Richtungen eingeschlagen und mich extrem beschäftigt gehalten. Man gerät in so viele Situationen, in denen man sich zuvor nie gesehen hätte und lernt so viele Menschen kennen, die nur temporär ins Leben treten und doch so einen Einfluss haben. Hätte mir am Anfang des Jahres jemand gesagt, dass Nummer 3 auf dem Plan stehen würde, ich hätte vermutlich gelacht und den Kopf geschüttelt. Oder wenn mir jemand gesagt hätte ich würde Bilder auf der Golden Gate Bridge bekommen. Aber na gut, mehr dazu später. In der richtigen Reihenfolge.

Mittwoch, 16. März 2016

******Life update, Life update******


Da sich meine Freunde und meine Familie vermutlich weniger dafür interessieren, welche Fragen sich zukünftige Austauschschüler stellen dachte ich, ich schreib kurz und knapp was so in meinem Leben vor sich geht. Als ich noch in Deutschland war und Blogeinträge anderer Austauschschüler gelesen habe, habe ich oft gesehen, dass diese nie Zeit hatten, um regelmäßig zu Schreiben. "Schlechte Ausreden", dachte ich, doch jetzt verstehe ich, wie einem das High School-Leben die Zeit stehlen kann. Mit Track und Theater habe ich die ganze Woche voll mit Training und Proben. Wenn man dann um 6 nach Hause kommt und anfängt Hausaufgaben zu machen, möchte man am Ende des Tages nur noch Netflix gucken oder schlafen gehen. Also keine Zeit um mit deutschen Freunden zu skypen oder Blogeinträge zu verfassen. Trotzdem liebe ich meine Wochen hier und durch die ständige Beschäftigung fliegt die Zeit nur so. 7 Monate bin ich nun schon in den United States. 28 Wochen - was in Teenagerzeit ungefähr 280 entspricht. Aber so fühlt es sich nicht an. Auch wenn die Tage hier nicht immer toll waren, habe ich bereits so viel erlebt und gesehen, dass die letzten Monate nur so vorbeigeflogen sind. In einer Woche haben wir unseren ersten Theaterwettbewerb und ich kann es kaum erwarten Bilder zu posten. Mitten drin habe ich Trackwettkämpfe (in denen ich die Sportlichkeit einer Kartoffel zeige, tolle Gene Mama) und bald haben wir Chor-District Wettbewerb. In anderen Worten: ich bin so dramatisch wie eh und je, singe noch und bin genauso sportbegabt wie in der Vergangenheit. Keine neue Anni, nur einige neue Lebenserfahrungen und Einstellungen. Momentan ist gerade Springbreak (also eine Woche Ferien) und in den letzten Tagen bin ich mit einer Freundin und ihrer Familie nach Missouri, St Louis gefahren. Nette Abwechslung auf Regen, grüne Pflanzen und große Bäume zu treffen, wenn man sein Auslandsjahr in Texas verbringt. Hier einige Bilder aus meinem Leben. 
Ich vermisse euch alle. Noch 3 Monate, dann halte ich euch wieder in meinen Armen. 



 

 Hello my name is Annabell and my favorite color is blue


Eine Frage die sich vor dem Austauschjahr aufdrängt ist die nach der Sprache. Bevor man das Land verlässt fühlt man sich wie der geborene Amerikaner, haut mit "komplizierten Fachbegriffen" um sich, die eigentlich total durchschnittlich sind, aber für die meisten "Dog,Cat,Dog, ach Mist das habsch schon gesacht"-Deutschen groß erscheinen. Wenn dann jedoch der Flug in die neue Heimat näher rückt, verwandelt man sich in einen stotternden 4.Klässler. In der Schule lernt man wie man glorreiche Reden über die Umwelt schreibt, welche historischen Aspekte zur Unhabhängigkeitserklärung beigetragen haben oder welche australischen Tiere zur Zeit vor dem Aussterben bedroht sind. Aber auf das Alltagsleben, das wird man nur gering vorbereitet. Es sei denn man trifft auf smalltalkbegeisterte Touristen und startet einen Spontandialog. "Hello, my name is Annabell. My favorite color is blue. I'm sixteen years old. My favorite animal is a penguin." Ja, das hilft einem viel wenn man in unserer Teenager-Yolo-Welt Menschen kennen lernen will. "Oh, du magst Pinguine? Voll krasschill, weißt du, wenn du irgendwann mal Bock hast könnten wir hängen und Pinguindokumentationen gucken!" Aber wenigstens haben wir uns mit diesen Sätzen in der 4.Klasse auf das Überleben vorbereitet und weniger auf das Verfassen von politisch korrekten Debatten über Außenpolitik. Nicht dass alles was man in der Schule lernt nutzlos ist, aber wer weiß schon die englischen Worte für "Ich möchte diesen nicht-recyclebaren Onedirection-Pappaufsteller nicht in meinem Zimmer haben" oder die freundliche Variante von "Ich wäre dir äußerst verbunden, wenn du im Badezimmer nicht ständig 50000 Unterhosen und Skizzen von halbwüchsigen Animewaschbären rumliegen lassen könntest" Wenn man dann jedoch nicht einmal versucht für seine Bedürfnisse einzustehen, dann findet man sich von heute auf morgen im diktatorischem Königreich einer 12-jährigen wieder, die sich mit Zuckercornflakes und Milch die Zähne putzt. Um dies zu vermeiden hier einige Tipps und Tricks.

1. Sagt alles, was euch in den Kopf kommt.

Das klingt jetzt für viele vermutlich wie eine Einladung um young&reckless zu werden, aber nein so ist es definitiv nicht gemeint. Wenn sich eure Gastmutter eine pinke Dauerwellen schneiden lässt oder der Gastvater die Augenbrauen abrasiert sagt ihr natürlich nicht "Ich ruf kurz im Tierheim an", ihr seid höflich, nickt und sagt es ist besser als ihr es euch vorgestellt hättet. Mit "alles was in den Kopf kommt" meine ich einfache Gesprächsbeteiligungen. In meinen ersten Wochen war ich erst einmal ziemlich zurückhaltend und ruhig. Dann habe ich mich gewundert warum mein Englisch nicht besser wurde und alles auf Amerika geschoben. Aber Überraschung, euer Englisch verändert sich nicht in einem Wimpernschlag. Ihr seid nun in einem riesigen laaaangen Prozess, der sich manchmal hinzieht bis ihr Jogginghosen in der Schule tragt und öfter "like" sagt als ihr atmet. Um aber so schnell wie möglich die Englischwichtel für euch arbeiten zu lassen, müsst ihr euch selbst in den "butt kicken" und sprechen. Wen interessiert es schon ob es richtig ist oder nicht? Die meisten Amerikaner sprechen ja kaum eine Sprache perfekt, ihr arbeitet an der zweiten (manchmal sogar dritten oder sechsten). Ihr seid im Ausland um besser zu werden, nicht um darüber zu streiten wie gut euer 4.-Klasse Englischlehrer war und ob ihr euch noch an das Wort Pappaufsteller erinnern könnt.

2. Downloaded eine Übersetzer-App, aber benutzt sie nicht zu häufig

Dict.cc scheint für viele die Lösung zu allem zu sein. Und auch wenn ich Menschen lieber mit Büchern in der Hand als mit ihrem Handy sehen würde (Bildung statt gehirnkontrollübernehmende Miniaturtechnik) muss ich zugeben, dass es viele Vorteile hat seinen Übersetzer überall mit hinnehmen zu können. Doch lernt man wirklich etwas, wenn man in 2 Sekunden ein Wort nachschlägt und dann weiterspricht? Nicht wirklich. Um euch herum sind die besten Übersetzer, die man finden kann. Klar, es ist ungewohnt mitten im Satz abzubrechen und mit Audruckstanz das Wort Kehrschaufel zu umschreiben, aber es lohnt sich. Die meisten Amerikaner finden es liebenswert und großartig, wenn sie euch weiterhelfen können. Außerdem lernt man so die Aussprache gleich mit. Dann kommt es wenigstens nicht dazu, dass ihr laut in der Klasse nach chinesischen Essstäbchen fragt. (chapstick und chopstick liegt viel zu nah beieinander)

3. Seid stolz auf euren deutschen Akzent

Okay, damit habe ich mich wohl so schwer getan wie nur wenige andere. Gerade nachdem ich diese "Stummlächelnundwinken"-Phase überwunden hatte und in die "Heckyeahsuckersichsprech2Sprachen"-Phase reinschlitterte wollte ich ganz sicher nicht nackte Finger und "Wow guck dir dieses echtdeutsche UppdaWuppda an!" 
Also habe ich versucht meinen Akzent so gut wie möglich zu verstecken, aber glaubt mir, in 99% der Fälle ist dies total unnötig. Mittlerweile werde ich oft im ersten Moment für amerikanisch gehalten, aber das ist mir nun gar nicht mehr wichtig. Im Laufe des Auslandsjahres wächst nicht nur die Wahrnehmung des Auslandes sondern auch dir des Heimatlandes extrem. Und irgendwann ist man stolz darauf "anders" zu sein. Die meisten Amis finden den deutschen Akzent übrigens tatsächlich süß. Also macht euch keine Gedanken, sondern macht den Mund auf und sprecht.

4. Erwartet nicht zu viel von euch selbst

Als gymnasialer 1-er Schüler erwartet man natürlich das Land zu betreten und keinerlei Probleme aufzufinden. "Wenn das andere geschafft haben tu ich das auch!" Und natürlich tut ihr das, jeder tut es. Aber manchmal läuft es nicht so, wie man es sich vorgestellt hätte. Seid ich hergekommen bin habe ich vermutlich mehr Worte vergessen, als ich gelernt habe. Das amerikanische Schulsystem fordert einen nicht unglaublich heraus und an manchen Tagen lernt man nicht viel mehr als "wie lange kann ich meinen Stift auf meinem Gesicht balancieren" und "wie klebe ich meinen Schulleiter mit Tesafilm an die Cafeteriawand". In Deutschland lernt man ständig neue Wörter für Tests und übt sich am Auswendiglernen. Aber wisst ihr was? In den letzten 15 Minuten musste ich ca. 10 Wörter vom Englischen in Deutsche übersetzen, um diesen Blogeintrag hier schreiben zu können. Was bedeutet, dass es sich lohnt. Mein Englisch ist sicherer, leichter, schwingender, hat manchmal eine Art Melodie. Wer weiß ob dies so bleiben wird, wenn ich wiederkomme und die deutsche Routine einsetzt. Aber Fakt ist, dass ich diese Sicherheit um jeden Preis beibehalten will und es kaum erwarten kann in den nächsten 3 Monaten noch mehr zu wachsen und zu lernen.