Mittwoch, 16. März 2016

******Life update, Life update******


Da sich meine Freunde und meine Familie vermutlich weniger dafür interessieren, welche Fragen sich zukünftige Austauschschüler stellen dachte ich, ich schreib kurz und knapp was so in meinem Leben vor sich geht. Als ich noch in Deutschland war und Blogeinträge anderer Austauschschüler gelesen habe, habe ich oft gesehen, dass diese nie Zeit hatten, um regelmäßig zu Schreiben. "Schlechte Ausreden", dachte ich, doch jetzt verstehe ich, wie einem das High School-Leben die Zeit stehlen kann. Mit Track und Theater habe ich die ganze Woche voll mit Training und Proben. Wenn man dann um 6 nach Hause kommt und anfängt Hausaufgaben zu machen, möchte man am Ende des Tages nur noch Netflix gucken oder schlafen gehen. Also keine Zeit um mit deutschen Freunden zu skypen oder Blogeinträge zu verfassen. Trotzdem liebe ich meine Wochen hier und durch die ständige Beschäftigung fliegt die Zeit nur so. 7 Monate bin ich nun schon in den United States. 28 Wochen - was in Teenagerzeit ungefähr 280 entspricht. Aber so fühlt es sich nicht an. Auch wenn die Tage hier nicht immer toll waren, habe ich bereits so viel erlebt und gesehen, dass die letzten Monate nur so vorbeigeflogen sind. In einer Woche haben wir unseren ersten Theaterwettbewerb und ich kann es kaum erwarten Bilder zu posten. Mitten drin habe ich Trackwettkämpfe (in denen ich die Sportlichkeit einer Kartoffel zeige, tolle Gene Mama) und bald haben wir Chor-District Wettbewerb. In anderen Worten: ich bin so dramatisch wie eh und je, singe noch und bin genauso sportbegabt wie in der Vergangenheit. Keine neue Anni, nur einige neue Lebenserfahrungen und Einstellungen. Momentan ist gerade Springbreak (also eine Woche Ferien) und in den letzten Tagen bin ich mit einer Freundin und ihrer Familie nach Missouri, St Louis gefahren. Nette Abwechslung auf Regen, grüne Pflanzen und große Bäume zu treffen, wenn man sein Auslandsjahr in Texas verbringt. Hier einige Bilder aus meinem Leben. 
Ich vermisse euch alle. Noch 3 Monate, dann halte ich euch wieder in meinen Armen. 



 

 Hello my name is Annabell and my favorite color is blue


Eine Frage die sich vor dem Austauschjahr aufdrängt ist die nach der Sprache. Bevor man das Land verlässt fühlt man sich wie der geborene Amerikaner, haut mit "komplizierten Fachbegriffen" um sich, die eigentlich total durchschnittlich sind, aber für die meisten "Dog,Cat,Dog, ach Mist das habsch schon gesacht"-Deutschen groß erscheinen. Wenn dann jedoch der Flug in die neue Heimat näher rückt, verwandelt man sich in einen stotternden 4.Klässler. In der Schule lernt man wie man glorreiche Reden über die Umwelt schreibt, welche historischen Aspekte zur Unhabhängigkeitserklärung beigetragen haben oder welche australischen Tiere zur Zeit vor dem Aussterben bedroht sind. Aber auf das Alltagsleben, das wird man nur gering vorbereitet. Es sei denn man trifft auf smalltalkbegeisterte Touristen und startet einen Spontandialog. "Hello, my name is Annabell. My favorite color is blue. I'm sixteen years old. My favorite animal is a penguin." Ja, das hilft einem viel wenn man in unserer Teenager-Yolo-Welt Menschen kennen lernen will. "Oh, du magst Pinguine? Voll krasschill, weißt du, wenn du irgendwann mal Bock hast könnten wir hängen und Pinguindokumentationen gucken!" Aber wenigstens haben wir uns mit diesen Sätzen in der 4.Klasse auf das Überleben vorbereitet und weniger auf das Verfassen von politisch korrekten Debatten über Außenpolitik. Nicht dass alles was man in der Schule lernt nutzlos ist, aber wer weiß schon die englischen Worte für "Ich möchte diesen nicht-recyclebaren Onedirection-Pappaufsteller nicht in meinem Zimmer haben" oder die freundliche Variante von "Ich wäre dir äußerst verbunden, wenn du im Badezimmer nicht ständig 50000 Unterhosen und Skizzen von halbwüchsigen Animewaschbären rumliegen lassen könntest" Wenn man dann jedoch nicht einmal versucht für seine Bedürfnisse einzustehen, dann findet man sich von heute auf morgen im diktatorischem Königreich einer 12-jährigen wieder, die sich mit Zuckercornflakes und Milch die Zähne putzt. Um dies zu vermeiden hier einige Tipps und Tricks.

1. Sagt alles, was euch in den Kopf kommt.

Das klingt jetzt für viele vermutlich wie eine Einladung um young&reckless zu werden, aber nein so ist es definitiv nicht gemeint. Wenn sich eure Gastmutter eine pinke Dauerwellen schneiden lässt oder der Gastvater die Augenbrauen abrasiert sagt ihr natürlich nicht "Ich ruf kurz im Tierheim an", ihr seid höflich, nickt und sagt es ist besser als ihr es euch vorgestellt hättet. Mit "alles was in den Kopf kommt" meine ich einfache Gesprächsbeteiligungen. In meinen ersten Wochen war ich erst einmal ziemlich zurückhaltend und ruhig. Dann habe ich mich gewundert warum mein Englisch nicht besser wurde und alles auf Amerika geschoben. Aber Überraschung, euer Englisch verändert sich nicht in einem Wimpernschlag. Ihr seid nun in einem riesigen laaaangen Prozess, der sich manchmal hinzieht bis ihr Jogginghosen in der Schule tragt und öfter "like" sagt als ihr atmet. Um aber so schnell wie möglich die Englischwichtel für euch arbeiten zu lassen, müsst ihr euch selbst in den "butt kicken" und sprechen. Wen interessiert es schon ob es richtig ist oder nicht? Die meisten Amerikaner sprechen ja kaum eine Sprache perfekt, ihr arbeitet an der zweiten (manchmal sogar dritten oder sechsten). Ihr seid im Ausland um besser zu werden, nicht um darüber zu streiten wie gut euer 4.-Klasse Englischlehrer war und ob ihr euch noch an das Wort Pappaufsteller erinnern könnt.

2. Downloaded eine Übersetzer-App, aber benutzt sie nicht zu häufig

Dict.cc scheint für viele die Lösung zu allem zu sein. Und auch wenn ich Menschen lieber mit Büchern in der Hand als mit ihrem Handy sehen würde (Bildung statt gehirnkontrollübernehmende Miniaturtechnik) muss ich zugeben, dass es viele Vorteile hat seinen Übersetzer überall mit hinnehmen zu können. Doch lernt man wirklich etwas, wenn man in 2 Sekunden ein Wort nachschlägt und dann weiterspricht? Nicht wirklich. Um euch herum sind die besten Übersetzer, die man finden kann. Klar, es ist ungewohnt mitten im Satz abzubrechen und mit Audruckstanz das Wort Kehrschaufel zu umschreiben, aber es lohnt sich. Die meisten Amerikaner finden es liebenswert und großartig, wenn sie euch weiterhelfen können. Außerdem lernt man so die Aussprache gleich mit. Dann kommt es wenigstens nicht dazu, dass ihr laut in der Klasse nach chinesischen Essstäbchen fragt. (chapstick und chopstick liegt viel zu nah beieinander)

3. Seid stolz auf euren deutschen Akzent

Okay, damit habe ich mich wohl so schwer getan wie nur wenige andere. Gerade nachdem ich diese "Stummlächelnundwinken"-Phase überwunden hatte und in die "Heckyeahsuckersichsprech2Sprachen"-Phase reinschlitterte wollte ich ganz sicher nicht nackte Finger und "Wow guck dir dieses echtdeutsche UppdaWuppda an!" 
Also habe ich versucht meinen Akzent so gut wie möglich zu verstecken, aber glaubt mir, in 99% der Fälle ist dies total unnötig. Mittlerweile werde ich oft im ersten Moment für amerikanisch gehalten, aber das ist mir nun gar nicht mehr wichtig. Im Laufe des Auslandsjahres wächst nicht nur die Wahrnehmung des Auslandes sondern auch dir des Heimatlandes extrem. Und irgendwann ist man stolz darauf "anders" zu sein. Die meisten Amis finden den deutschen Akzent übrigens tatsächlich süß. Also macht euch keine Gedanken, sondern macht den Mund auf und sprecht.

4. Erwartet nicht zu viel von euch selbst

Als gymnasialer 1-er Schüler erwartet man natürlich das Land zu betreten und keinerlei Probleme aufzufinden. "Wenn das andere geschafft haben tu ich das auch!" Und natürlich tut ihr das, jeder tut es. Aber manchmal läuft es nicht so, wie man es sich vorgestellt hätte. Seid ich hergekommen bin habe ich vermutlich mehr Worte vergessen, als ich gelernt habe. Das amerikanische Schulsystem fordert einen nicht unglaublich heraus und an manchen Tagen lernt man nicht viel mehr als "wie lange kann ich meinen Stift auf meinem Gesicht balancieren" und "wie klebe ich meinen Schulleiter mit Tesafilm an die Cafeteriawand". In Deutschland lernt man ständig neue Wörter für Tests und übt sich am Auswendiglernen. Aber wisst ihr was? In den letzten 15 Minuten musste ich ca. 10 Wörter vom Englischen in Deutsche übersetzen, um diesen Blogeintrag hier schreiben zu können. Was bedeutet, dass es sich lohnt. Mein Englisch ist sicherer, leichter, schwingender, hat manchmal eine Art Melodie. Wer weiß ob dies so bleiben wird, wenn ich wiederkomme und die deutsche Routine einsetzt. Aber Fakt ist, dass ich diese Sicherheit um jeden Preis beibehalten will und es kaum erwarten kann in den nächsten 3 Monaten noch mehr zu wachsen und zu lernen.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Heute starte ich eine neue Reihe an Posts. Und zwar werde ich mich wichtigen Fragen oder Gedanken widmen, die einige jetzige oder baldige Austauschschüler beschäftigen und ganz einfach meine Meinung dazu preisgeben. Also, here we go.



Mein heutiger Post geht vor allem an alle Mädchen da draußen, die so wie ich jedes Mal Panik bekommen, wenn sie darüber nachdenken sich in weniger als vier Monaten wiegen zu müssen und in Ohnmacht zu fallen. Ja, das Thema Ernährung ist hier in Amerika (und gerade im Fastfood-State Texas) ein sehr...spezielles. Und damit meine ich, dass die Ami-Gurls den Stoffwechsel von wilden Blumenfledermäusen haben. (Anscheinend sind das Tiere mit gutem Stoffwechsel...) Und natürlich sind hier alle totale Pro-Athleten, wodurch jeder so viel essen kann wie er will. Um das mal genauer darzustellen beschreibe ich meinen Ernährungs-Alltag. DEUTSCHLAND VS. AMERIKA- GO

1. DEUTSCHLAND

Frühstück

Bevor man in die Schule geht sollte man natürlich wenigstens etwas kleines essen. Als ernährungsbewusster Mensch greife ich zu Obst und ein Wenig Joghurt. Vielleicht sogar einige Nüsse, denn diese sind ja bekanntlich gut für das Gedächtnis. Zusammen mit einer Tasse Kaffee bildet dies die Grundlage für meinen Tag. Später in der Schule gibt es Brot oder noch mehr Obst, an besonders gefährlichen Tagen wage ich es sogar einen Müslirigel mitzunehmen, aber natürlich nicht ohne mich schlecht zu fühlen, da in diesem ja einige Gramm Zucker stecken.

Mittag

Da ich das Schulessen nicht ausstehen kann, bereite ich zu Hause Nudeln zu, vielleicht mit Gemüse, vielleicht trocken. Ab und zu etwas langweliger, fader Schinken. Manchmal gibt es aber auch nur noch mehr Brot, ungekochtes Gemüse oder Joghurt. 

Abendbrot

Tja, was isst der Deutsche abends? Wir in Sachsen nennen es "Bemme". Butterbrot, Salat, Wurst, Käse. Etwas, was sich der Amerikaner in seinen schlimmsten Albträumen nicht ausmalen kann. Aber als Gewohnheitstier weiß man seine Wurstbemme und den Karottenapfelsalat eben durchaus zu schätzen.
 

2. AMERIKA

Da es hier ja leider keine Frühstückspause gibt, muss man sich am Morgen für den Krieg vorbereiten. Bloß nicht zu wenig essen, sonst überlebt man die nächsten 5 einhalb Stunden nur mit peinlichem Magenknurren und schlechter Laune. Mein liebstes amerikanisches Frühstück? Poptarts! Jetzt fragt sich so mancher: "Ehm Sekunde mal was n das?" Poptarts sind nichts anderes als quietschsüßes Gebäck mit quietschsüßer Füllung und Zuckerguss. Diese kann man so ziemlich zu jeder Tageszeit essen, aber ich bevorzuge sie zum Frühstück. Dann liebt der Amerikaner Cereal, also im Durchschnitt quietschsüße Cornflakes, die nach Zucker mit Zucker schmecken.
Zu Mittag kann man sich dann in der Schule Lunch kaufen. Dank Obama gibt es da eine großartige Auswahl an "gesunden" Speisen. Von gesunden Hamburgern zu gesunden Tacos zu gesunden Chickennuggets. Ich hätte nie gedacht, dass ich das von Cafeteria-Frau-Haar verseuchte Essen meiner alten Schule mal vermissen würde, aber der Salat an meiner High School schmeckt wie Papier mit frittiertem Bleistift. Hat dafür aber natürlich jede Menge Kalorien. Bei den Amis hat Lunch keinen großen Wert. Wir kennen natürlich das gute alte Sprichwort" Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann", denn das sagte ja schon Oma. Hier sagen die Omas wohl eher "Iss morgens reichlich Poptarts, mittags iss irgendwas und abends gibt es dann Fastfood"  In Deutschland esse ich sowas wie Hamburger vielleicht 3-4 Mal im Jahr. Hier gibt es das jede Woche mindestens einmal. Ob man mit Freunden zu Five Guys geht, oder sich schnell abends etwas bei Whataburger holt, grundsätzlich gibt es ständig Fries, also Pommes und Cola oder Dr.Pepper. Und jetzt denkt man sich vermutlich "Hah! Ich wusste es! Amis sind fett!" Aber so ist es nicht. In meiner High School gibt es nicht viel mehr dicke Menschen, als in den meisten deutschen Großstadtschulen. Der Unterschied ist, dass hier jeder Sport macht. Oder vielleicht ist es auch der bereits oben benannte Stoffwechsel. Wer kann das schon genau sagen. Jedenfalls ist es beneidenswert. Abends gibt es oft viel zu Essen, also nicht wie bei uns Brot und Käse, sondern warmes Essen. Zwischen den Mahlzeiten gönnt man sich ständig Eiscreme, Cakeballs (denn die werden an meiner Schule so ziemlich jede zweite Woche in den Gängen verkauft) oder Milkshakes von Sonic, weil man vor der Theaterprobe genug Zeit hat, um seine Figur noch ein wenig mehr zu versauen. Kurz gesagt, man isst ungesund, viel und ohne Hemmung. Denn ständig kommt einem dieser eine Satz in den Kopf. "Das ist das einzige Austauschjahr, das du je bekommen wirst!" oder "Das nehme ich alles ab, wenn ich wieder da bin!" Die meisten nehmen zwischen 5 und 7 Kilo zu. Manche mehr. Manche weniger. Das kommt darauf an, ob man Sport macht und vor allem, in welchem Teil der USA man lebt. Ich, sportlich wie eine Kartoffel und in Texas lebend, habe es also alles in allem schlecht getroffen und werde meine bereits zugenommenen 3-4 Kilo vermutlich noch erweitern. Aber momentan vertraue ich ganz einfach auf die Stimme in meinem Kopf und hoffe, dass das Gewicht genauso schnell wieder verschwindet, wie es gekommen ist. Die genauen Resultate werde ich dann in einem Jahr preisgeben. Aber Fakt ist, dass man sich keinen Stress mit solchen Kleinigkeiten machen sollte. Das ist unser Jahr. Es sind schon zu viele magersüchtig geworden, oder haben völlig sinnlose Essstörungen entwickelt. Wir sind alle schön, ob nun mit 10 Kilo weniger oder mehr. Letzten Endes spielt es keine Rolle. Beim Austausch geht es um so viel mehr, als wie man aussieht. Es geht um Charakter, Verständnis und so viele wichtige Lektionen für das gesamte Leben. Also vergesst einfach mal für eine längere Zeit wie wichtig es euch war eure Kleidergröße 34,36, 38 oder was-auch-immer zu tragen und seid glücklich mit der Person die ihr seid, nicht mit der Kleidergröße, die ihr haben wollt.  

Donnerstag, 28. Januar 2016

Klassenfahrt für Aliens


Als Vollblut Exchalien dachte ich, ich gebe dem Namen hier mal etwas mehr Bedeutung. Das ist es also, eine nicht-mehr-ganz-so-neue aber trotzdem ungewohnte Bezeichnung, die man sich selbst geben darf. Alien. Außerirdischer. Eine Person, die aus einer anderen Welt entstammt. Und manchmal kann das eine echte Last sein. Gerade in der Anfangszeit macht man tausende tollpatschige Fehler und "Hallo, ich bin nicht von hier" scheint einem gerade zu auf der Stirn geschrieben zu stehen. "Kannst du eigentlich auch mit amerikanischem Akzent reden?" WENN ICH DIE GABE ZUR PERFEKTEN ANPASSUNG BESITZEN WÜRDE, WÜRDE ICH SQUIRREL BESTIMMT NICHT BETONEN ALS HÄTTE ICH EINE ORANGE IM HALS STECKEN! Ja, so mancher Amerikaner scheint nicht ganz zu verstehen was es bedeutet eine andere Sprache zu lernen. Denn ihrer Meinung nach ist Englisch das absolute Non-plus-Ultra und aus diesem Grund lernen die Meisten ganz einfach "American-sign-language" (was hier als Fremdsprache anerkannt wird), also Englisch für Taubstumme. 
Worauf ich aber eigentlich hinauswill ist, dass es manchmal nerven kann aus der Masse herauszufallen. Umso schöner ist es, wenn man auf Leute trifft, die einen verstehen können. Menschen, die das gleiche durchmachen wie du. Ganz genau, eine ganze Gruppe von Aliens! Dieses Glück hatte ich letztes Wochenende, als wir eine Art Klassenfahrt für Stipendiaten unternommen haben. 
1x Georgien 1x Montenegro 1x Ukraine 2x Serbien 2x Deutschland = eine Horde wilder Jugendlicher mit Vollstipendium von der jeweiligen Regierung. Achso, und unsere Local Coordinator natürlich.


 Jap, das war unser Haus und der Ausblick den wir hatten. Bei dem Wort "Oklahoma" denke ich aus irgendeinem Grund immer zu erst an Einöde und Langeweile, aber ich schätze so geht es vielen mit dem Wort "Texas". Aber Überraschung! So ist es nicht. Okay, größtenteils schon. Aber die Ausnahmen sind dafür umso großartiger!


Neben einem unglaublichen Ausblick, einem eigenen See vor der Haustür und einer tollen Veranda hatten wir im Übrigen einen Whirlpool. 

 Natürlich gibt es auf einer Klassenfahrt keine Langeweile, sondern jede Menge bescheu...*hust* wunderbare Spiele. Das Problem ist, dass ich nicht zum Spielen geboren bin und jedes Spiel (und sei es Twister) verliere. Ich denke mein Gesichtsausdruck im zweiten Bild sagt so ziemlich alles, was gesagt werden könnte...
 Und was macht man, wenn man nach dem ersten Spiel die Lust verliert? Die anderen mit seltsamen Tänzen ablenken. Anscheinend. Keine Ahnung was ich da im Hintergrund mache.
 Oh, seht ihr das da im Vordergrund? Das bin ich! Das Bild wurde wahrscheinlich in den ersten fünf Minuten geschossen. Länger halte ich dieses ganze "Still-sitzen-und-Blumen-ausmalen"-Ding nicht aus. Wie um alles in der Welt können Mandalas auf andere Leute beruhigend wirken? Wenn jeder so wie ich wäre, würde der nächste Weltkrieg durch das Ausmalen von Ausmalbüchern ausbrechen.


Was wir sonst so gemacht haben? Wir haben uns in indianischer Kultur weitergebildet, indianische Miniaturbaseballschläger aus Natur gebastelt und mit waschechten Indianern getanzt...


....waren wandern und haben 1.000.000 Fotos von Bäumen und Steinen gemacht...


...ich habe mich todesmutig getraut von einer "Uferseite" zur anderen zu springen...


...und natürlich haben wir mehr gegessen als wir es sonst vermutlich in einem ganzen Monat tun. 
Um es also kurz zu fassen: Manchmal hat es auch seine Vorteile ein Alien zu sein, und ich bin stolz darauf mich Exchalien nennen zu dürfen. 


Samstag, 16. Januar 2016

156 Tage um - 154 Tage vor mir

It's okay not to be happy all the time

 

Nein, das hier wird kein depressiver "Hinter-jedem-Lächeln-steckt-eine-Träne"-Eintrag, aufatmen! Der Grund, warum ich mich dazu entschlossen habe über Gefühle zu schreiben ist, dass ich momentan sehr sehr glücklich bin. Und das ist schier unglaublich wenn man bedenkt, dass ich vor vier Monaten noch überlegt habe, ob es wirklich die richtige Entscheidung war herzukommen. Ich weiß, dass es da draußen viele Austauschschüler gibt, denen es genauso ging wie mir. Wir alle hatten diese riesigen Erwartungen, Vorstellungen und Träume und oft ist es ganz einfach völlig anders gekommen als erwartet. Dazu beigetragen haben verschiedene Faktoren. Gastfamilien können komplett verschieden und kompliziert sein, manche Schulen erfüllen nicht das Erwartungsbild einer typischen amerikanischen High School und dann ist es für viele schwer Anschluss zu finden. Wir lesen diese "Meine-Welt-ist-rosa-und-flauschig"-Blogs über Auslandsjahre, die perfekt verlaufen sind und gehen davon aus, dass dies dem Durchschnitt entspricht. Aber glaubt mir, die Realität sieht anders aus! Euer Auslandsjahr wird euch dazu herausfordern alles was ihr kennt in Frage zu stellen. Manchmal gibt es zu viele Fragen und zu wenige Antworten, manchmal viel zu viele Antworten und es ist unmöglich zu wissen, welche die richtige ist. 

Fakt ist, dass ich vor meinem Auslandsjahr dachte ganz genau zu wissen wer ich bin. Ich habe mich oft maßlos überschätzt und dachte ich wäre die goldene Ausnahme. Aber das bin ich nicht - und das will ich auch gar nicht mehr sein. Bei den Seminaren erzählen sie einem, wie viel Selbstbewusstsein man während seines Jahres gewinnt. Ich würde es jedoch eher Eigenwahrnehmung nennen. Was vermisse ich? Wann vermisse ich es? Vermisse ich es überhaupt? Wenn nicht, was sagt das über mich aus? Und dann endlose Gefühlsschwankungen. In einem Moment möchte man nie wieder gehen und am liebsten gleich das F1 Visa beantragen und im nächsten sind die verbleibenden 154 Tage eine viel zu lange Zeit und das alte Leben viel zu weit entfernt. Aber eine der Sachen, die man lernen muss, um sein Auslandsjahr so richtig genießen zu können, ist diese Achterbahn zu akzeptieren. Hier eines meiner Lieblingszitate aus One Tree Hill (womit ich noch einmal verdeutlichen kann, dass ich tatsächlich alle 9 Staffeln gesuchtet habe):   

So, I’ve been thinking about this whole “being happy” thing and I feel like people get lost when they think of happiness as a destination. Well, we’re always thinking that someday we’ll be happy. You know, we’ll get that car or that job or that person in our lives that’ll fix everything. But happiness is a mood,and it’s a condition,not a destination.It’s like being tired or hungry. It’s not permanent. It comes and goes,and that’s okay. And I feel like if people thought of it that way,they’d find happiness a lot more often. 

Und das heißt so viel wie: Wir erwarten dieses perfekte Austauschjahr, in dem alles glatt läuft, wir mehr Freude und Aufregung erleben, als in jedem anderen Jahr unseres Lebens und das Glück auf unserer Seite steht. Was wir dabei vergessen ist, dass Freude kein ewig anhaltener Zustand ist, sondern nur ein Gefühl. Ein Gefühl, das kommt und geht, solange wir menschlich sind. Wir erwarten, dass wir uns zum Positiven verändern und eine riesige Charakterentwicklung durchmachen, aber dabei jederzeit gut gelaunt sind und Regenbogen kotzen. Aber so ist es nicht. Ist es okay ab und zu hungrig zu sein? Natürlich ist es das! Ist es okay sich ab und zu einsam zu fühlen oder unzufrieden zu sein? Absolut! Freude ist kein anhaltendes Ziel. Es ist etwas, dass uns durch unser Austauschjahr begleitet, sich jedoch ab und zu auch mal verabschiedet. Physik-Lehrer bestehen ständig auf "Je, desto"-Sätze, da diese anscheinend lehrreich sein sollen. Oder so. Also formuliere ich hier jetzt meinen eigenen lehrreichen Satz, der mir in den letzten Monaten sehr geholfen hat. Je größer die Herausforderung, desto größer die Veränderung.


Vorweihnachtszeit

Die Vorweihnachtstage sehen hier meiner Meinung nach sehr viel bedeutungsloser aus, als wir das aus Deutschland gewöhnt sind. Dieses typische Weihnachtsmarkt-feeling ist hier einfach nicht present. (Ja, ich habe es tatsächlich vermisst den 100-fachen Wert für in Zucker erstickte Mandeln auszugeben und schlechten Chöre "Alle Jahre wieder" singen zu hören.) Weihnachten ist hier sehr viel konsumorientierter, was bedeutet dass, obwohl es draußen warm ist und die Sonne scheint, an jeder Ecke Santa oder seine Gehilfen bereitstehen um dir irgendwelche sinnlosen Rentierhandschuhe anzudrehen. Nachdem ich aus New York zurückgekommen bin, hatte ich auch eigentlich schon mit dem Gedanken an Schnee abgeschlossen. Beim "NYC Christmas Special" in T-Shirts herumzurennen stand definitiv nicht auf meiner Erwartungs-Liste. Heute jedoch, drei Wochen später, habe ich eine eklige Erkältung und draußen sieht es weiß aus. Texas ist schon seltsam.
Zurück zu meiner Vorweihnachtszeit. Zusammen mit einer meiner besten Freundinnen und ihrer Familie bin ich nach Dallas gefahren zu "ICE". Selbst als wir in der Nähe des Gaylord-Hotels (Ja, es heißt wirklich so) ankamen hatte ich immernoch nicht den geringsten Schimmer was mich erwarten würde. "ICE" das hätte eine riesige Ausstellung über die Geschichte des deutschen Intercity-Expresses bis hin zum texanisch-nationalen Wettkampf im "Reise nach Jerusalem" auf Eis sein können. (Denn dieses Spiel scheint hier total "hipp" zu sein.) Letzendlich jedoch war es genau das, was der Name schon sagt "Eis". Eine riesige Ausstellung aus Eisfiguren. Für gute ein bis zwei Monate haben einige künstlerisch-begabte Asiaten nichts anderes getan, als Eis in Figuren zu schnitzen und das Ergebnis war beeindruckend. (Nein, ich bin nicht rassistisch, das ganze ist von Asien herübergekommen und alle Künstler kamen aus China.) Innen war es unglaublich kalt (also Durchschnittstemperatur eines deutschen Winters aber die Hölle für eine an Texas-Temperaturen gewöhnte Annabell) aber die Ausstellung war die 30 Minuten Kälte definitiv wert. 



(Das letzte Bild ist mein liebstes, ich seh aus wie ne seltsame Katzeneichhorn-Kreatur und Michaela als würde sie versuchen irgendeine italienische Oper rückwärts zu singen.)

Heiligabend

Der 24.12 war ziemlich langweilig. Ja ich weiß, man erwartet, dass dies der großartige langersehnte Weihnachtstag ist, an dem alle Wünsche in Erfüllung gehen, Liebe und Seligkeit in die Herzen einzieht und Schneeflocken am Fenster bunte Bilder formen. Meine Stunden bestand jedoch aus Netflix und Tee, draußen regnete es und das einzige was in mein Herz eingezogen ist, war die Wut, dass unsere Katzen mehr als 2 Mal auf meinen Teppich gekotzt haben. Immerhin bin ich jetzt durch alle 9 Staffeln One Tree Hill durch. Jedenfalls hatte ich starkes Heimweh und habe mehrer Stunden damit verbracht alte Familienfotos anzusehen. Vermutlich das Bescheuertste was man machen kann, wenn man Heimweh hat, aber ich bin 16 Jahre alt und mehr als 7800 km von meinen Eltern entfernt, es ist nicht immer einfach cool zu sein. (Da ich weiß, dass viele andere Austauschschüler das gleiche Problem hatten, kommt darüber vermutlich bald ein etwas ausführlicherer Eintrag. Immerhin ist das einer der Gründe, warum ich diesen Blog schreibe: Ich möchte zukünftigen Austauschlern helfen und zeigen, dass niemand allein ist.) 
So gegen 18.00 sind wir in die Kirche gegangen, so wie ich das auch aus Deutschland gewöhnt bin. Doch am Abend passierte das Unmögliche! SANTA kam zu uns! Persönlich! Ja, ich habe ihn gesehen, seine Hand geschüttelt und seine Frau umarmt. Glaubt es, oder glaubt es nicht. 

P.S. ICH HABE BEWEISFOTOS! PEACE OUT!

ER HAT UNS PYJAMAS GESCHENKT! UND SÜßIGKEITEN! 



25.12.16 

Und auf einmal war die Langeweile vorbei! Finally, Christmasday! Natürlich hat meine Gastschwester versucht extrem entspannt zu wirken, aber als morgens die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum lagen war mehr als offensichtlich, dass sie eigentlich Feuer und Flamme war. Jetzt fragt ihr euch natürlich: "Aber was gabs denn nun von Santa??" Die Antwort sieht so aus: 


Dann gab es jede Menge zu Essen, ungefähr so wie zu Thanksgiving nur viel besser. Ich habe es nicht mal zum Dessert geschafft, zu viel Essen, zu kleiner Mund. Später sind wir dann "auf eine Reise ins nirgendwo" gegangen, die am Kino geendet hat. ÜBERRASCHUNG! STAR WARS! (GO WATCH THE NEW MOVIE!) Ist zwar ein wenig unüblich an Weihnachten Sci-Fi Filme zu sehen, aber das hat die Grinch-Story dann doch irgendwo überboten. Und obwohl ich zugeben muss, dass Weihnachten letztenendes besser war, als ich es erwartet hätte, will ich doch sagen, dass ich es nicht erwarten kann dieses Jahr zu Weihnachtsmärkten zu gehen, Glühwein zu trinken und am 24. Geschenke auszutauschen, ganz ohne Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau, aber mit meiner Familie. 

New Years Eve 

Okay, das wird kurz. New Years Eve hat hier so gut wie gar keine Bedeutung, weil Feuerwerkskörper verboten sind und es natürlich keinen Alkohol gibt bevor man 21 ist. Am letzten 2015 Tag habe ich mich mit zwei Freundinnen zum Fahrradfahren getroffen, bis dann nach 10 Minuten eine unserer Ketten abgebrochen ist und wir den Rest gelaufen sind. Dann haben wir Pizza bestellt, die ersten 10 Minuten von Sixteen Candles gesehen und ich habe Hunde mit Spielzeughubschraubern gejagt. Punkt Mitternacht habe ich mit meinen Gasteltern angestoßen, eine knappe halbe Stunde meinen Kindheitshelden Joe Jonas im Neujahrs-TV angegafft und bin dann früher oder später schlafen gegangen.